28 January 2026, 04:14

Willich gedenkt der NS-Opfer und warnt vor neuem Antisemitismus

Eine schwarze Tafel an einem Gebäude mit einer darauf liegenden Hand, die Holocaust-Opfer gedenkt.

Willich gedenkt der NS-Opfer und warnt vor neuem Antisemitismus

In Willich fand eine feierliche Gedenkveranstaltung zum Holocaust statt, die politische Vertreter, Schülerinnen und Schüler sowie Bürgerinnen und Bürger zusammenführte. Die Veranstaltung ehrte die lokalen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und setzte sich zugleich mit dem Anstieg modernen Antisemitismus und rechtsextremer Rhetorik auseinander.

Die Gedenkfeier begann mit einem Gebetsgottesdienst in der Snow-Kapelle, geleitet von Religionslehrer Pierre Hein. Im Mittelpunkt stand das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das zu Mitgefühl und moralischer Verantwortung aufrief.

Es folgte eine Kranzniederlegung am Holocaust-Mahnmal der Stadt. Anschließend versammelten sich die Teilnehmenden im Pädagogischen Zentrum der Schule, wo musikalische Darbietungen zu hören waren – darunter Marc Riedls Klavierinterpretation von Bodo Wartkes Das Land, in dem ich leben will. Max Mamrotski von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sprach über die Befreiung von Auschwitz-Birkenau und bezog dies auf die heutige Wiederkehr von Hass. Er forderte das Publikum auf, sich aktiv gegen Antisemitismus zu stellen. Willichs Bürgermeister Christian Pakusch kritisierte rechtsextreme Politiker, die den Holocaust verharmlosten, und äußerte Besorgnis über aktuelle politische Entwicklungen in den USA.

Auf Roll-up-Displays wurden die Schicksale ermordeter jüdischer Bürger Willichs dokumentiert, darunter Rosetta und Albert Salm sowie Lina Wallach. Schulleiterin Andrea Großkraumbach betonte die Bedeutung von Bildung im Kampf gegen Rassismus und Intoleranz. Ein Banner mit dem Namen Karl Wolf, eines ehemaligen Polizisten, der in NS-Verbrechen verstrickt war, hatte im Vorjahr bei einer ähnlichen Veranstaltung in Greifswald für Kontroversen gesorgt. In Willich wurde sein Name diesmal nicht erwähnt.

Die Gedenkveranstaltung endete mit einem Appell, das Andenken an die NS-Opfer zu bewahren und gleichzeitig wachsam gegen modernen Hass zu bleiben. Die Organisatoren hofften, dass die Diskussionen und Ehrungen – besonders bei den zahlreichen anwesenden Schülerinnen und Schülern – nachhaltig wirken würden.