Wiener Festwochen 2024: Angélica Liddells radikale Suche nach Tod und Ekstase
Anna SchmitzWiener Festwochen 2024: Angélica Liddells radikale Suche nach Tod und Ekstase
Die Wiener Festwochen 2024 haben mit mutigen Erkundungen von Leben und Tod begonnen. Am Donnerstag feierte Angélica Liddells neues Werk Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder Die Lust am Sterben im Volkstheater Premiere. Das Festival zeigt zudem dystopische Stücke wie Philippe Quesnes Vampirberg und Florentina Holzingers Mythen des Alltags sowie Pfingstspiel.
Liddells zweistündige Inszenierung speist sich aus einer persönlichen und erschütternden Erfahrung: Am 7. Januar 2024 wurde sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau – ein Ereignis, das den Anstoß für die Performance gab. Für die Aufführung sammelte ihre Compagnie, Atra Bilis Teatro, Kleidungsstücke der Verstorbenen. Auf der Bühne trägt Liddell diese Gewänder und verkörpert so die Identitäten und letzten Momente fremder Menschen.
Das Stück inszeniert den rituellen Selbstmord des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima neu. Es verbindet Ästhetik des Nō-Theaters mit Liddells rohem, körperbetontem Stil – darunter eine eindrucksvolle Szene, in der Blut über die Bühne spritzt. Die Vorstellung steigert sich zu einem intensiven Höhepunkt, wenn sie eine ekstatische Verteidigung des Suizids vorträgt, unterbrochen von abrupten Einschüben und schwarzem Humor.
Die Produktion ist Teil eines Festivalprogramms, das sich mit makabren und existenziellen Themen auseinandersetzt. Liddells Werk bietet – gemeinsam mit anderen Aufführungen – eine konfrontative, doch künstlerische Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit. Das Publikum bleibt mit eindringlichen, beunruhigenden Bildern zurück, die lange nach dem Fall des Vorhangs nachwirken.






