01 February 2026, 20:05

Wie Theater die grausame Welt der Verschwörungstheorien entlarvt und Opfer zu Wort kommen lässt

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer Menge in einem Theater, mit einigen Sitzenden und anderen Stehenden, und einem Text unten, der 'The New York Times' lautet.

Wie Theater die grausame Welt der Verschwörungstheorien entlarvt und Opfer zu Wort kommen lässt

Eine mutige neue Performance nimmt die düstere Welt rechtsextremer Verschwörungstheorien ins Visier. "We Crisis Actors: Lookalike in Anger" von andcompany&Co. und dem inklusiven Theaterensemble Thikwa verbindet absurden Humor mit schonungslosen Fragen zur Desinformation. Die Inszenierung fordert das Publikum heraus, sich mit der Verbreitung falscher Erzählungen auseinanderzusetzen – und wer darunter am meisten leidet.

Die Produktion beginnt mit spielerischem Absurdismus und hinterfragt, ob Neil Armstrongs Mondlandung echt oder inszeniert war. Doch der Ton schlägt schnell um, als Alexander Karschnia, Mitglied des Künstlerkollektivs, das Massaker von 2018 an der Marjory Stoneman Douglas High School schildert. Überlebende der Tragödie wurden von Online-Verschwörungstheoretikern als 'Nachrichten' diffamiert – ein Begriff, der aus rechtsextremen Kreisen stammt und behauptet, bezahlte Darsteller würden Katastrophen für politische Zwecke vortäuschen.

Die Show vermischt theatralische Nachstellungen, Publikumseinbindung und slapstickhafte Komik, um aufzudecken, wie gezielt Desinformation verletzliche Gruppen trifft. Karschnia wirft eine provokante Idee auf: Was, wenn marginalisierte Menschen zu professionellen 'Bild Online' ausgebildet würden, um reale Tragödien nachzuspielen? Die Aufführung gipfelt in einem mitreißenden Höhepunkt – einer kollektiven Darstellung von Freddie Mercurys 'Bildzeitung', gesungen von fünfzig Berliner Künstler:innen am Telefon und live projiziert. Das finale Bild lässt das Publikum sprachlos zurück und erntet stehende Ovationen.

Durch die Repräsentation von Menschen mit Behinderungen und schonungslose Erzählungen zwingt das Stück die Zuschauer:innen, zu hinterfragen, wie leicht sich Lügen verbreiten – und wer den Preis dafür zahlt.

Die Performance endet mit einem beklemmenden Bild und einem Saal voller berührter Zuschauer:innen. Indem 'We Crisis Actors' Satire mit realem Schmerz verbindet, entlarvt die Inszenierung die menschlichen Kosten von Verschwörungstheorien. Die Macher:innen lassen keinen Zweifel: Wenn sich Falschinformationen ausbreiten, sind die Verwundbarsten die Ersten, die leiden.