Wie die Gastarbeiter-Generation heute mit Einsamkeit und psychischen Problemen kämpft
Mila WalterWie die Gastarbeiter-Generation heute mit Einsamkeit und psychischen Problemen kämpft
Vor mehr als sechs Jahrzehnten warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Unter ihnen waren die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, die die Türkei verließen in der Erwartung, bald wieder zurückkehren zu können. Ihre Geschichte spiegelt die Schwierigkeiten wider, mit denen viele ältere Migrantinnen und Migranten noch heute konfrontiert sind – insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit und der sozialen Isolation.
Fatih Çevikkollus Vater, ein ausgebildeter Schlosser, und seine Mutter, eine qualifizierte Grundschullehrerin, kamen im Rahmen des Nachkriegs-Arbeitsprogramms nach Deutschland. Statt in die Türkei zurückzukehren, blieben sie in den 1970er-Jahren, als das "Rückkehrprinzip" aufgrund des anhaltenden Arbeitskräftebedarfs und der wirtschaftlichen Instabilität in ihrer Heimat abgeschafft wurde.
In Deutschland arbeitete Çevikkollus Mutter als Näherin – ein deutlicher sozialer Abstieg im Vergleich zu ihrer früheren Lehrtätigkeit. Dieser "Statusverlust" traf sie schwer und trug später zu psychischen Problemen bei. Schließlich lebte sie allein und litt in ihren letzten Jahren vermutlich unter Psychosen.
Ältere Migrantinnen und Migranten leiden häufig unter Einsamkeit, was psychische Erkrankungen verschlimmern kann. Dennoch nutzen nur etwa 10 Prozent von ihnen jemals psychologische Hilfsangebote. Kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Krankheit erschweren die Behandlung zusätzlich. Viele westeuropäische Therapieansätze passen nicht zu den Vorstellungen von Migrantengemeinschaften, was eine wirksame Versorgung behindert.
Expertinnen und Experten betonen die Notwendigkeit von mehr interkulturellen Angeboten im Bereich der psychischen Gesundheit. Kultursensible Therapien und medizinische Praktiken könnten die besonderen Herausforderungen älterer Migrantinnen und Migranten besser bewältigen.
Die Erfahrungen von Çevikkollus Familie zeigen die langjährigen Versorgungslücken für ältere Migrantinnen und Migranten auf. Ohne den Ausbau interkultureller psychologischer Hilfsangebote werden viele weiterhin in Isolation leiden. Es braucht mehr Bewusstsein und maßgeschneiderte Betreuung, um ihren spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden.






