15 January 2026, 20:26

Sanierung der Bahnstrecke Hagen–Köln: Warum Kritiker von einer „halbherzigen Lösung“ sprechen

Ein altes Stadtplan von Wien, Deutschland, mit roten Linien, die eine Bahnroute markieren, auf Papier gedruckt.

Sanierung der Bahnstrecke Hagen–Köln: Warum Kritiker von einer „halbherzigen Lösung“ sprechen

Großes Sanierungsprojekt an der Schienenachse Hagen–Wuppertal–Köln gerät wegen veralteter Infrastruktur in die Kritik

Ein umfangreiches Modernisierungsvorhaben entlang der stark frequentierten Bahnstrecke zwischen Hagen, Wuppertal und Köln steht in der Kritik, weil zentrale Infrastrukturmaßnahmen unberücksichtigt bleiben. Gegner des Projekts, darunter der grüne Bundestagsabgeordnete und Bahn-experte Matthias Gastel, bezeichnen Teile der Aufwertung als „halbherzige Lösung“. Obwohl die Sanierung die stark genutzte Bahn eigentlich auf den neuesten Stand bringen soll, werden dringend benötigte Verbesserungen trotz anhaltender Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Effizienz ausgesetzt.

Die mit 1,2 Milliarden Euro veranschlagte Sanierung der Bahnstrecke sieht nicht die Einführung des neuen europäischen Zugsicherungssystems ETCS (European Train Control System) vor. Lediglich sechs der wichtigsten Bahnhöfe der Linie erhalten eine vollständige Modernisierung, wobei vier davon als „zukunftsfähig“ eingestuft werden. Gleichzeitig müssen sechs S-Bahn-Stationen mindestens bis Ende 2027 auf ihre Aufwertung warten – lange nach Abschluss des Hauptprojekts.

Auch acht Bahn-Stellwerke entlang der Strecke bleiben trotz ihres maroden Zustands unangetastet. Drei davon werden als „schlecht“ bewertet, zwei weitere befinden sich im denkbar schlechtesten Zustand. Die Deutsche Bahn begründet dies mit zu kurzer Vorlaufzeit für die Planung von Ersatzbauten, doch Gastel weist diese Begründung als unzureichend zurück. Besonders dringend sanierungsbedürftig sind die Stellwerke in Schwelm, Solingen und am Hagener Hauptbahnhof. Der Bahn-politische Sprecher Gastel äußert sich seit Langem kritisch zu den Mängeln des Projekts. Die unvollständigen Modernisierungen bezeichnete er als „halbherzige Lösung“ – ein Begriff, der ursprünglich von Ulrich Lange geprägt wurde, um ähnliche unzureichende Sanierungen anzuprangern. Besonders scharf wird die Entscheidung kritisiert, veraltete Stellwerke weiter zu betreiben, da diese eine zentrale Rolle für den sicheren und effizienten Bahn-betrieb spielen.

Das Sanierungsprojekt wird fortgeführt, ohne mehrere langjährige Problemstellen zu beheben. Die maroden Bahn-Stellwerke bleiben in Betrieb, und wichtige Bahnhöfe erhalten nur teilweise Modernisierungen. Durch die Verzögerungen und Auslassungen werden Fahrgäste und Betreiber auch in den kommenden Jahren auf veraltete Infrastruktur angewiesen sein.