02 February 2026, 22:05

Rita Süssmuths mutiger Kampf gegen die AIDS-Krise prägte Deutschland

Eine große Gruppe von Menschen auf einer LGBTQ+-Rechtsdemo in Berlin, die Fahnen und Plakate schwenken, mit Gebäuden, einem Kran und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.

Rita Süssmuths mutiger Kampf gegen die AIDS-Krise prägte Deutschland

Rita Süssmuth, 1937 in Wuppertal geboren, wurde eine der einflussreichsten Politikerinnen Deutschlands. Als Professorin für Erziehungswissenschaft und Tochter eines Schulrats stieg sie in der CDU auf – gefördert von Heiner Geißler, der die Partei aus ihren patriarchalen Strukturen führen wollte. Ihr Wirken war geprägt von Mitgefühl, Nächstenliebe und pragmatischem Handeln statt starrer Ideologie.

Am 26. September 1985 wurde Süssmuth als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit vereidigt. Im Bonner Bundestag leistete sie ihren Amtseid mit den Worten "So wahr mir Gott helfe". Ihre Amtszeit fiel in die beginnende AIDS-Krise, und sie entwickelte sich schnell zu einer zentralen Figur im Kampf gegen die Krankheit.

Statt reaktionären Forderungen nach einer "geistig-moralischen Wende" zu folgen, setzte sie auf Aufklärung und Forschung. 1987 startete sie die Kampagne "Gib AIDS keine Chance" als Teil eines Sofortprogramms zur Eindämmung der Epidemie. Millionen flossen in TV-Spots, Anzeigen und Plakate, die Kondomnutzung und Safer Sex beworben. Noch im selben Jahr gründete sie die Nationale AIDS-Stiftung, deren Vorsitz sie später übernahm.

Süssmuth knüpfte breite Bündnisse mit Ärzten, Wissenschaftlern wie dem RKI-Chef Meinrad Koch und AIDS-Hilfegruppen. 1988 richtete sie am Bundesgesundheitsamt das AIDS-Zentrum für Forschung und Epidemiologie ein. Symbolträchtig war auch ihre Zustimmung, den Reichstag 1995 in Stoff hüllen zu lassen – eine Anspielung auf Safer-Sex-Praktiken.

1988 wurde sie Bundestagspräsidentin, ein Amt, das sie ein Jahrzehnt lang ausübte. Zeit ihres Lebens blieb sie eine prägende Stimme der Christdemokratie und wirkte noch lange nach ihrem Ausscheiden aus der Politik in Gremien und Ehrenämtern mit.

Süssmuths Vermächtnis liegt in ihrer pragmatischen, aber werteorientierten Führung. Sie gestaltete die Gesundheitspolitik während der AIDS-Krise neu, indem sie Prävention über Stigmatisierung stellte. Ihr Wirken prägte nachhaltig Deutschlands Umgang mit Gesundheitsvorsorge, Bildung und politischer Repräsentation.