Millionenstreit um marodes Wuppertaler Polizeigebäude eskaliert zu politischer Affäre
Maximilian MaierMillionenstreit um marodes Wuppertaler Polizeigebäude eskaliert zu politischer Affäre
Ein langwieriger Streit um einen maroden Polizeikomplex in Wuppertal hat sich zu einer juristischen und politischen Affäre ausgeweitet. Das Gelände an der Müngstener Straße, für das das Land derzeit jährlich rund vier Millionen Euro Miete zahlt, geriet in die Schlagzeilen, nachdem Pläne bekannt wurden, die jährlichen Kosten auf fast 30 Millionen Euro zu erhöhen. Nun wird untersucht, wie Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) und sein Team mit dem Fall umgegangen sind.
Im Mittelpunkt des Konflikts steht die Zukunft des Polizeigebäudes, das im Besitz der Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement NRW (BLB) steht. Seit Jahren gibt es Streitigkeiten über Sanierungspläne für die technisch veralteten Gebäude, in denen wichtige zentrale Polizeieinheiten untergebracht sind. Eine frühere juristische Einschätzung bezifferte die angemessenen Sanierungskosten auf etwa 173 Millionen Euro – deutlich weniger als in späteren Diskussionen genannt.
Der Vorschlag der BLB, die Miete von vier auf fast 30 Millionen Euro pro Jahr zu erhöhen, stieß bei Polizei und Innenministerium auf scharfen Widerstand. Daraufhin griffen Reul und Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) persönlich ein und erarbeiteten eine gemeinsame Absichtserklärung zwischen den beteiligten Behörden. Doch dieser Schritt wurde aus verschiedenen Abteilungen des Innenministeriums kritisiert, die der Führung vorwarfen, sie bei entscheidenden Weichenstellungen übergangen zu haben.
Um die Pattsituation zu lösen, schlug das Finanzministerium vor, der Polizei ab 2030 rund eine Milliarde Euro zur Verfügung zu stellen, davon etwa 650 Millionen Euro speziell für die Sanierung des Wuppertaler Standorts. Dieser Betrag sollte später an die BLB zurückfließen. Reul räumte später ein, dass die direkte Einmischung in die Verhandlungen Risiken berge, und gestand mögliche Fehler im Prozess ein.
Die Folgen des Streits haben nun zwei Untersuchungen ausgelöst: Die interne Revision des Innenministeriums sowie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüfen, ob Reuls Vorgehen den verfahrensrechtlichen und gesetzlichen Standards entsprach.
Der Wuppertaler Polizeikomplex bleibt damit ein kostspieliger und umstrittenener Zankapfel. Während die juristischen Prüfungen laufen und die interne Kritik wächst, wird das Ergebnis zeigen, wie das Land künftig mit seiner Polizeiinfrastruktur umgeht – und ob die vorgeschlagene Milliardenlösung umgesetzt wird. Bis auf Weiteres läuft der Betrieb am Standort unter den bisherigen Mietbedingungen, während die Verantwortlichen auf weitere Erkenntnisse warten.