Karneval in Köln und Düsseldorf: Warum Putin diesmal nur in Düsseldorf zu sehen ist
Maximilian MaierKölner Karnevalisten verteidigen das Fehlen eines Putin-Wagen bei Rosenmontagsumzug - Karneval in Köln und Düsseldorf: Warum Putin diesmal nur in Düsseldorf zu sehen ist
Deutschlands berühmte Karnevalsumzüge sorgen wieder für Schlagzeilen – diesmal wegen politischer Satire, die für Kontroversen sorgt. Die Veranstalter in Köln haben sich dagegen entschieden, einen Wagen mit einer Karikatur des russischen Präsidenten Wladimir Putin beim diesjährigen Rosenmontagszug zu zeigen. Stattdessen wird der renommierte Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly das Thema aufgreifen – trotz drohender strafrechtlicher Verfolgung durch russische Behörden.
Die Entscheidung fällt zu einer Zeit, in der Tilly trotzig bleibt, während Moskau wegen seiner früheren satirischen Darstellungen, die sich gegen Putin und die russische orthodoxe Kirche richteten, juristisch gegen ihn vorgeht.
Der Kölner Zugleiter Marc Michelske bestätigte, dass sich der diesjährige Umzug auf andere politische Persönlichkeiten und Themen konzentrieren werde. Die Motivwagen nehmen unter anderem US-Präsident Donald Trump, militärische Spannungen, Grönland, künstliche Intelligenz und Streitigkeiten innerhalb der deutschen Koalitionsregierung ins Visier. Michelske wies Vorwürfe zurück, die Entscheidung sei aus Angst vor russischen Repressalien getroffen worden, und betonte, ein Putin-Wagen sei nach wie vor notwendig – nur eben nicht in Köln.
Jacques Tilly, bekannt für seine kühnen und oft provokanten Entwürfe, sieht sich seit Jahren mit Gegenwind aus Russland konfrontiert. Die dortigen Behörden haben ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet und werfen seinen Düsseldorfer Wagenbauern vor, staatliche Institutionen verunglimpft und religiöse Gefühle verletzt zu haben. Die Anklage bezieht sich auf seine Kreationen aus den Jahren 2022 und 2023, in denen er Putin und Patriarch Kirill verspottete. Bei einer Verurteilung drohen Tilly bis zu zehn Jahre Haft, obwohl ihm die Anklageschrift offiziell noch nicht zugestellt wurde. Der Prozess, der wegen abwesender Zeugen mehrfach verschoben wurde, soll nun am 26. Februar 2026 beginnen.
Trotz Reisebeschränkungen im Zusammenhang mit dem Verfahren lässt sich Tilly nicht einschüchtern. Er entwirft weiterhin Wagen, darunter auch den diesjährigen Putin-bezogenen Beitrag für Düsseldorf. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Kölner Festkomitees, unterstützte Michelskes Entscheidung und betonte, dass jeder Zugleiter vor Ort die letzte Instanz über die inhaltliche Ausrichtung sei.
Russische Vertreter hatten Tillys Arbeiten in der Vergangenheit bereits als Verbreitung von "Falschinformationen" über das Militär und als Beleidigung des Präsidenten verurteilt. Die Vorwürfe haben ihn jedoch nicht davon abgehalten, Grenzen auszutesten und dafür zu sorgen, dass politische Satire im Mittelpunkt der deutschen Karnevalstradition bleibt.
Dass in Köln kein Putin-Wagen zu sehen sein wird, bedeutet nicht, dass das Thema ignoriert wird. Tillys Düsseldorfer Kreation wird die Debatte weiter in den Fokus rücken – selbst angesichts des wachsenden juristischen Drucks. Der Kölner Umzug widmet sich unterdessen anderen globalen und innerdeutschen Themen und beweist damit, dass der Karneval nach wie vor eine Bühne für scharfe politische Kommentare bietet.
Das Strafverfahren gegen Tilly wirft jedoch Fragen auf: Wie wird sich dies auf künftige Umzüge auswirken – und wo liegen die Grenzen der Meinungsfreiheit in Europas satirischen Traditionen?