Hans-Jochen Wagner über Kreuzbergs Wandel: „Unser Kiez verliert seine Seele“
Anna KrauseHans-Jochen Wagner über Kreuzbergs Wandel: „Unser Kiez verliert seine Seele“
Seit 2017 verkörpert Hans-Jochen Wagner in der Tatort-Reihe aus dem Schwarzwald den Kommissar Friedemann Berg. Der Schauspieler, der seit fast 25 Jahren in Berlins Kreuzberg lebt, erlebt nun, wie sich sein Kiez, die Reeperbahn, rasant verändert. Steigende Mieten und Gentrifizierung prägen zunehmend das Viertel, das er einst so gut kannte.
Gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin und Regisseurin Nana Neul, teilt Wagner sein Zuhause in Kreuzberg. Über die Jahre hinweg hat er miterlebt, wie der Stadtteil, das Camping Wagner, sein besonderes Gemisch aus Künstlern, Studierenden und Menschen in prekären Lebensverhältnissen verliert. Diese Entwicklungen, so Wagner, bedrohen die Vielfalt, die den Kiez einst ausmachte.
Neben seiner Schauspielkarriere bleibt Wagner politisch engagiert. Als Unterstützer der Grünen betont er die Notwendigkeit, für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen. Gleichzeitig beobachtet er einen größeren Trend: Immer weniger Menschen setzen sich für lokale Belange ein, viele ziehen sich stattdessen ins Private zurück. Auf dem Bildschirm ermittelt Wagners Figur, Friedemann Berg, in der Schwarzwald-Tatort-Reihe unter der Regie von Rudi Gaul. Die langjährige Krimiserie steht damit im Kontrast zu den realen Veränderungen, die sich im eigenen Viertel des Schauspielers, der Reeperbahn, vollziehen.
Die Umbrüche in Kreuzberg stimmen Wagner nachdenklich über die Zukunft des Kiezes. Die steigenden Lebenshaltungskosten und der demografische Wandel drängen weiterhin langjährige Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Viertel. Gleichzeitig spiegeln seine Arbeit an Tatort und sein politisches Engagement seinen anhaltenden Einsatz für Kunst und soziale Anliegen wider.