27 January 2026, 00:06

Gesundheitsminister fordern radikale Reformen für Apotheken in Deutschland

Der Eingang einer Apotheke mit einem "Apotheke"-Schild auf der linken Seite, einer Tafel mit Text auf der rechten Seite und beleuchteten Lampen auf dem Dach.

Gesundheitsminister fordern radikale Reformen für Apotheken in Deutschland

Gesundheitsminister aus sieben deutschen Bundesländern haben Änderungen am Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) vorgeschlagen. Ihre Anträge zielen darauf ab, die Vergütung für Apotheken zu vereinheitlichen und Bedenken im Zusammenhang mit dem Versandhandel zu adressieren. Besonders deutlich äußerte sich Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, der den aktuellen Entwurf als unzureichend kritisierte.

Der Gesundheitsausschuss des Bundesrates sowie die Minister aus Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen reichten gemeinsame Vorschläge ein. Zu den zentralen Forderungen gehören die Erhöhung der Festvergütung für Apotheker auf 9,50 Euro sowie der Ausschluss von Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) aus den Vergütungsverhandlungen. Zudem soll das System so umgestaltet werden, dass eine gerechtere Bezahlung in allen Bundesländern gewährleistet wird.

Laumann argumentierte, der vorliegende Entwurf schütze die lokalen Apotheken nicht ausreichend. Er warnte vor Lockerungen bei der Zulassung von Filialapotheken, da diese zu einer Dominanz großer Ketten führen könnten. Stattdessen betonte er die Notwendigkeit, die Unabhängigkeit der Apotheker in ihren eigenen Betrieben zu bewahren. Seine Kritik richtete sich auch gegen Versandapotheken, für die er eine klarere Kennzeichnung ausländischer Anbieter forderte.

Nordrhein-Westfalen setzt sich für eine vereinfachte Apothekenbetriebsordnung ein. Das Land strebt weniger Regulierung an, um Apothekern mehr Freiraum in der Führung ihrer Betriebe zu ermöglichen. Laumann kritisierte zudem das aktuelle Festpreis-System als unzureichend. Er hält eine Dezentralisierung – ähnlich dem früheren Schlecker-Drogeriemodell – für besser geeignet, um die Arzneimittelversorgung langfristig zu sichern.

Der Bundesrat wird am kommenden Freitag über seine endgültige Position abstimmen. Der Gesetzentwurf enthält zwar einige Verbesserungen, etwa fairere Wettbewerbsregeln für Versandapotheken. Doch Laumann und andere Minister bestehen auf weiteren Nachbesserungen, um Ungleichheiten bei der Vergütung zu beseitigen und eine Übernahme durch Großkonzerne zu verhindern.

Die vorgeschlagenen Änderungen sollen eine ausgewogene Lösung zwischen fairer Bezahlung, der Unabhängigkeit der Apotheker und einer strengeren Kontrolle des Versandhandels schaffen. Falls sie angenommen werden, könnten sie die Arbeitsweise von Apotheken in ganz Deutschland grundlegend verändern. Die Entscheidung des Bundesrates am Freitag wird den weiteren Weg der Gesetzgebung bestimmen.