Der historische Frauenstreik von 1973, der Deutschland veränderte
Maximilian MaierDer historische Frauenstreik von 1973, der Deutschland veränderte
Im August 1973 traten die Beschäftigten des Pierburg-Werks in Neuss in einen Streik, der die Arbeitsbedingungen in Deutschland nachhaltig verändern sollte. Die Proteste begannen mit einigen hundert Frauen, die unter dem Motto "Eine Mark mehr!" faire Löhne forderten. Bald entwickelte sich ihre Aktion zu einer landesweiten Bewegung, die breite Unterstützung fand.
Der Streik begann am 13. August, angeführt von etwa 200 bis 300 Frauen – meist Migrantinnen aus verschiedenen europäischen Ländern. Sie wurden nach dem Tarif "leichte Arbeitsgruppe 2" bezahlt, obwohl sie dieselben Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen erledigten. Ihre Forderung war klar: gleicher Lohn für gleiche Arbeit.
Am Donnerstag begannen die Verhandlungen. Die Arbeitgeber boten bis Freitag einen bescheidenen Lohnzuwachs von 53 bis 65 Pfennig an und schlugen vor, die umstrittene Kategorie "leichte Arbeitsgruppe 2" abzuschaffen. Doch die Streikenden blieben standhaft, und der Protest weitete sich aus. Männer solidarisierten sich mit ihren Kolleginnen – einer der ersten Streiks in Deutschland, bei dem männliche Beschäftigte Frauen öffentlich unterstützten. Selbst Künstler und Arbeiter aus anderen Städten zeigten ihre Solidarität.
Die Reaktion der Behörden war hart. Die Polizei ging mit Gewalt gegen die Streikenden vor; es gab Berichte über brutale Methoden und rassistische Beleidigungen durch mindestens einen Beamten. Trotzdem setzte sich der Durchhaltewillen der Arbeiterinnen durch.
Der Streik endete mit einem bedeutenden Erfolg: Die Löhne wurden deutlich erhöht, und die diskriminierende Tarifgruppe "leichte Arbeitsgruppe 2" wurde abgeschafft. Die Auswirkungen reichten weit über Neuss hinaus – die ungerechte Lohnstufe verschwand in ganz Deutschland. Der Protest wurde zu einem Meilenstein für Arbeiterrechte und Solidarität im Land.






