Bundeskanzler verlangt radikale Abkehr von den USA nach Venezuela-Angriff
Anna SchmitzBundeskanzler verlangt radikale Abkehr von den USA nach Venezuela-Angriff
Bundeskanzler fordert radikale Wende im Verhältnis zu den USA
Der deutsche Bundeskanzler hat eine grundlegende Neuausrichtung der Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gefordert. Diese Forderung folgt auf den jüngsten Militärschlag der USA gegen Caracas, den Berlin nun als "inakzeptablen Akt der Expansion" bezeichnet. In einer schonungslosen Analyse räumte der Kanzler Fehler in der bisherigen Krisenbewältigung ein und verlangte eine "zweite Zeitenwende" – ein vollständiges Umdenken in den transatlantischen Beziehungen.
Der Kanzler offenbarten tiefe Besorgnis über die US-Intervention und gestand, schlaflose Nächte gehabt zu haben, während er über die deutsche Reaktion nachdachte. Anfangs hatte die Regierung noch Zurückhaltung geübt, aus Sorge vor weiterer Spaltung. Doch nun bezeichnete der Kanzler diesen Ansatz als gescheitert und argumentierte, Berlin hätte von Anfang an seine Souveränität entschlossener verteidigen müssen.
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören harte wirtschaftliche Schritte: die Einstellung von Waffenimporten aus den USA, ein Exportstopp für Schlüsselgüter in die Vereinigten Staaten und sogar Sanktionen gegen amerikanisches Fracking-Gas. Zudem regte der Kanzler an, einflussreiche proamerikanische Lobbygruppen wie die Atlantik-Brücke aufzulösen – ein klares Signal für einen Bruch mit den langjährigen transatlantischen Netzwerken.
Der Konflikt gewinnt zusätzliche Brisanz vor dem Hintergrund der US-Lateinamerika-Politik der letzten 50 Jahre. Washingtons Eingriffe – von der Invasion Grenadas 1983 über die Unterstützung der Contras in Nicaragua, die Panama-Invasion 1989 bis hin zum Plan Colombia – stießen immer wieder auf deutsche Kritik. Berlin verurteilte diese Aktionen wiederholt als Verstöße gegen das Völkerrecht, doch gemeinsame Interessen im Kalten Krieg und im Kampf gegen Drogen hielten die NATO-Zusammenarbeit aufrecht. Die Kritik des Kanzlers richtete sich auch gegen den früheren US-Präsidenten Trump, dessen abfällige Bezeichnung Europas als "vernachlässigbares Protektorat" er als realitätsfremd zurückwies. Doch die aktuelle Krise treibt Deutschland nun in eine weitaus konfrontativere Haltung.
Mit dem Aufruf zu einer "zweiten Zeitenwende" steht die deutsche Außenpolitik möglicherweise an einem Scheideweg. Wirtschaftssanktionen, eine verringerte militärische Abhängigkeit von den USA und die Zerschlagung proamerikanischer Einflussnetzwerke sind nun im Gespräch. Ob diese Schritte die transatlantischen Beziehungen neu gestalten oder die bestehenden Gräben vertiefen werden, hängt davon ab, wie beide Seiten in den kommenden Monaten reagieren.