06 May 2026, 01:58

Brasilien versteigert Ölrechte im Amazonas – trotz Proteste und juristischer Bedenken

Eine Karte von Brasilien mit Provinzen in verschiedenen Farben hervorgehoben, die die Amazonas-Region auf der linken Seite zeigt.

Brasilien versteigert Ölrechte im Amazonas – trotz Proteste und juristischer Bedenken

Die brasilianische Regierung hat trotz massiver Kritik eine große Auktion für Öl- und Gasförderrechte vorangetrieben. Am 17. Juni 2025 bot die Nationale Agentur für Erdöl, Erdgas und Biokraftstoffe (ANP) 172 Explorationsblöcke zur Versteigerung an. Davon lagen 68 in der ökologisch sensiblen Amazonasregion – ein Schritt, der bei Aktivisten, indigenen Führern und juristischen Behörden auf scharfe Ablehnung stieß.

Die Versteigerung fand statt, obwohl die Bundesstaatsanwaltschaft versucht hatte, sie per einstweiliger Verfügung zu stoppen. Die Behörden verwiesen auf Verfahrensmängel und fehlende Umweltprüfungen, darunter das Fehlen einer Umweltverträglichkeitsstudie für Sedimentgebiete (AAAS). Kritiker warfen der Regierung zudem vor, die vorgeschriebene freie, vorherige und informierte Zustimmung der indigenen und traditionellen Gemeinschaften nicht eingeholt zu haben – eine Verpflichtung gemäß Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Von den 47 Blöcken im Mündungsgebiet des Amazonas wurden 19 erfolgreich vergeben, die zusammen 16.312 km² Meeresfläche umfassen. Trotz des Widerstands von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sicherten sich die multinationalen Konzerne Chevron, CNPC, ExxonMobil und Petrobras die Rechte an diesen Gebieten.

Indigene Führer verurteilten den Schritt scharf. Häuptling Jonas Mura vom Volk der Mura erklärte: „Wenn der große Schöpfer Öl und Gas tief unter der Erde ließ, dann deshalb, weil es nicht an die Oberfläche gehören soll.“ Klimaschutzaktivisten unterstützten diese Haltung. Gisela Hurtado von Stand.earth betonte: „Es gibt keine Klimagerechtigkeit ohne indigene Rechte und keinen gerechten Wandel, wenn wir fossile Brennstoffe weiter fördern.“ Ilan Zugman von 350.org Lateinamerika warf der Regierung vor, an einem veralteten Modell der fossilen Energien festzuhalten, statt auf erneuerbare Alternativen zu setzen. Carolina Marçal vom Instituto ClimaInfo warnte, die Auktion werde die Klimakrise verschärfen, indem sie die Ölförderung in einem entscheidenden Ökosystem ausweite.

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Die Versteigerung hat die Spannungen zwischen Brasiliens Energiepolitik und seinen Klimazielen weiter verschärft. Mit 19 Amazonas-Blöcken in Unternehmenshand bereiten Umwelt- und Indigenenorganisationen nun weitere juristische Schritte vor. Das Fehlen vorheriger Konsultationen und Umweltvorkehrungen macht das Projekt anfällig für anhaltende Konflikte.

Quelle