Wie ein mutiges Nurejew-Ballett zum Zensuropfer wurde
Ein mutiges Ballett über Rudolf Nurejew feierte 2017 in Moskau Premiere – lange nach dem Tod des Tänzers 1993. Die mit Energie und persönlichen Erinnerungsstücken gefüllte Produktion zeichnet seinen Lebensweg nach, von den ersten Schritten bis zum weltweiten Ruhm. Doch ihr Weg von der Bühne zur Kontroverse war ebenso dramatisch wie Nurejews eigene Geschichte.
Rudolf Nurejew, 1938 geboren, wurde zu einem der größten Ballettstars des 20. Jahrhunderts. Er trainierte unter Alexander Puschkin, bevor er 1961 in Frankreich überlief. Seine Karriere dauerte Jahrzehnte, bis er 1993 an den Folgen von AIDS starb. Zwei Jahre später wurde sein Nachlass versteigert – seine persönlichen Habseligkeiten inspirierten später eine Bühnenproduktion.
Das Ballett "Nurejew" schuf der Regisseur und Choreograf Kirill Serebrennikow gemeinsam mit dem Choreografen Juri Possochow, einem Bolschoi-Veteranen aus Luhansk. Die Uraufführung fand im Dezember 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater statt. Serebrennikow konnte jedoch nicht anwesend sein – er stand zu diesem Zeitpunkt unter Hausarrest, angeklagt wegen Veruntreuung staatlicher Gelder, und wurde später verurteilt.
Der erste Akt der Produktion begeisterte mit prunkvollen Bühnenbildern und roher Energie, die sich an Nurejews persönlichen Gegenständen orientierten. Der zweite Akt, obwohl geprägt von atemberaubenden Solos und großen Ensembleszenen, vermochte es nicht, den gleichen Schwung zu halten. Trotz des künstlerischen Erfolgs sah sich das Ballett mit heftiger Kritik konfrontiert. 2023 verbot es die russische Regierung mit der Begründung, es fördere angeblich "nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen".
Das Ballett "Nurejew" bleibt eine kraftvolle Hommage an einen legendären Tänzer, die sein persönliches Schicksal mit mutiger Bühnengestaltung verbindet. Sein Verbot in Russland unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und staatlicher Zensur. Die Produktion hinterlässt ein Erbe, das über die Bühne hinausreicht – als Symbol für den Konflikt zwischen Kultur und Politik.






