Verlage reformieren Pressevertrieb – Großhändler kämpfen um ihr Überleben
Anna KrauseVerlage reformieren Pressevertrieb – Großhändler kämpfen um ihr Überleben
Große deutsche Verlage haben sich zusammengeschlossen, um den Pressevertrieb grundlegend zu reformieren. Das Bündnis FFF, zu dem unter anderem Axel Springer und die Bauer Media Group gehören, plant, die derzeit 13 regionalen Großhändler bis 2027 durch einen zentralen Großhändler zu ersetzen. Der Vorstoß stößt auf massiven Widerstand aus der Branche und hat bereits rechtliche Auseinandersetzungen ausgelöst.
Ziel der FFF-Allianz ist die Schaffung der Presse-Grosso-Allianz (PGA) als alleinigem Großhändler für den Pressevertrieb in Deutschland. Bis Ende 2026 soll die PGA bundesweit operieren, der Start ist für 2027 vorgesehen. Nur vier Großhandelsunternehmen bleiben als „Systempartner“ erhalten, während andere künftig lediglich als Logistikdienstleister fungieren sollen.
Der Plan sorgt für erhebliche Kritik. Der Bundesverband Presse-Grosso bezeichnete die Kündigung der Verträge als „bewusste und abgestimmte Zerstörung“ eines unabhängigen Wirtschaftszweigs. Die Unternehmen PDG und Lütkemeyer warnten, das Modell gefährde eine diskriminierungsfreie Verteilung und bedrohe die Medienvielfalt.
Rechtliche Schritte sind bereits eingeleitet. Die Großhändler Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord klagen gegen die Kündigungen. Das Landgericht Dortmund wies jedoch einstweilige Verfügungen von PDG und Lütkemeyer ab. Auch der Bundesverband Presse-Grosso versucht, die Umstrukturierung bis Sommer 2023 gerichtlich zu stoppen.
Die Aufsichtsbehörden halten sich bisher zurück. Das Bundeskartellamt kündigte an, vorerst keine Maßnahmen zu ergreifen, nachdem die Verlage ihre Pläne angepasst hatten.
Die Umstrukturierung durch die FFF-Allianz könnte den Pressevertrieb in Deutschland nachhaltig verändern. Zwar haben die Verlage erste juristische Erfolge erzielt, doch die Großhändler wehren sich weiter gegen die Änderungen. Die weitere Entwicklung hängt von den laufenden Gerichtsverfahren und möglichen regulatorischen Prüfungen ab.
