Strompreise im Minus: Warum Verbraucher am Sonntag Geld für ihren Verbrauch erhielten
Maximilian MaierStrompreise im Minus: Warum Verbraucher am Sonntag Geld für ihren Verbrauch erhielten
Strom-Großhandelspreise in Deutschland rutschten erstmals 2024 ins Negative
Am Sonntag fielen die Großhandelspreise für Strom in Deutschland erstmals in diesem Jahr unter null. Ausgelöst wurde der Preissturz durch ein seltenes Wetterphänomen, bei dem Solaranlagen und Windkraftwerke gleichzeitig mit maximaler Leistung arbeiteten. Experten warnen nun, dass solche extremen Preisschwankungen in diesem Sommer häufiger auftreten könnten.
Die ungewöhnliche Kombination aus starkem Sonnenschein und kräftigem Wind – von Fachleuten als „Sonnenbrise“-Phänomen bezeichnet – trieb die Erzeugung erneuerbarer Energien auf Rekordwerte. In der Folge drehten die Großhandelspreise ab 9 Uhr morgens ins Minus und blieben bis 17 Uhr negativ. Den Tiefststand erreichte der Markt zwischen 13 und 14 Uhr, als die Preise auf -250,32 Euro pro Megawattstunde (entspricht -25,03 Cent pro Kilowattstunde) fielen.
Für Verbraucher mit dynamischen Stromtarifen bedeutete dies, dass sie faktisch dafür bezahlt wurden, Strom zu verbrauchen. In der Region Köln sank der Nettopreis zeitweise auf -8,6 Cent pro Kilowattstunde. Bundesweit variierten die Sätze: In einigen Gebieten lagen die Preise bei bis zu -12 Cent pro Kilowattstunde, anderswo bewegten sie sich zwischen 4,9 und 11,6 Cent.
Die Schwankungen waren extrem: Noch am frühen Morgen hatte der dynamische Tarif des Anbieters Tibber zwischen 20 und 21 Uhr einen Spitzenwert von 36 Cent pro Kilowattstunde erreicht. Merlin Lauenburg, Deutschland-Chef von Tibber, prognostizierte, dass in diesem Sommer neue Rekorde bei negativen Strompreisen fallen dürften. 2023 waren die Großhandelspreise bereits 457 Stunden im Minus – ein Anstieg um 50 Prozent gegenüber 2022. Im Juli des vergangenen Jahres war es sogar zu einem Extremwert von -500 Euro pro Megawattstunde gekommen.
Ein zentrales Problem bleibt die mangelnde Flexibilität des Marktes, da das Stromnetz Schwankungen zwischen dem wachsenden Angebot erneuerbarer Energien und der Nachfrage nur unzureichend ausgleichen kann. Experten erwarten häufigere negative Preise, sofern sich Speicherkapazitäten oder nachfrageseitige Lösungen nicht deutlich verbessern.
Der Sonntag markierte zugleich das erste Mal in diesem Jahr, dass Kunden mit dynamischen Tarifen netto negative Preise – also nach Steuern und Umlagen – verzeichneten. Wer in dieser Phase Elektroautos oder Heimspeicher lud, erhielt effektiv Geld dafür. Angesichts des weiteren Ausbaus erneuerbarer Energien dürften ähnliche Preisschwankungen in den kommenden Monaten zur Regel werden.






