Pflegekosten explodieren: Warum häusliche Betreuung Familien ruiniert
Anna KrausePflegekosten explodieren: Warum häusliche Betreuung Familien ruiniert
Die meisten Menschen in Deutschland, die auf Langzeitpflege angewiesen sind, erhalten Unterstützung zu Hause statt in stationären Einrichtungen. Aktuellen Zahlen zufolge leben nur 14,1 Prozent dauerhaft in vollstationären Pflegeheimen, während die übrigen 85,9 Prozent in den eigenen vier Wänden versorgt werden. Viele von ihnen sind auf Angehörige angewiesen – mehr als die Hälfte wird ausschließlich von Familienmitgliedern betreut.
Das deutsche Recht fördert die häusliche Pflege gemäß Paragraf 3 des Elften Buches des Sozialgesetzbuchs (SGB XI). Dieses Prinzip ermöglicht es Betroffenen, zwischen stationären Einrichtungen, professionellen Pflegediensten oder familiärer Unterstützung zu wählen. Doch die finanziellen Belastungen unterscheiden sich zwischen diesen Optionen deutlich.
Die Eigenbeteiligung von Pflegeheimbewohnern steigt seit 2020 kontinuierlich an. In vielen Regionen liegen die monatlichen durchschnittlichen Zuzahlungen mittlerweile bei über 1.000 Euro – vor sechs Jahren waren es noch 700 bis 800 Euro. Treiber dieser Entwicklung sind steigende Personalkosten, höhere Löhne für Pflegekräfte sowie erhöhte Betriebskosten der Einrichtungen. Allein im ersten Jahr zahlen Bewohner oft mehr als 3.200 Euro pro Monat. Langfristig gibt es zwar Entlastungen durch Zuschüsse zum Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung (EEE), die die persönliche Belastung mindern.
Doch die häusliche Pflege kann noch teurer werden. Schwerstpflegebedürftige müssen mit monatlichen Kosten von über 7.000 Euro rechnen. Anders als in Pflegeheimen sinken diese Ausgaben nicht mit der Zeit. Angehörige, die im Schnitt 49 Stunden pro Woche unentgeltlich pflegen, tragen einen Großteil dieser finanziellen Last. Ein Viertel von ihnen widmet sogar mindestens 57 Stunden wöchentlich der unbezahlten Betreuung.
Der Bundesverband "wir pflegen" e.V. kritisiert die ungleiche Kostenverteilung scharf. Obwohl die häusliche Pflege die bevorzugte und gesetzlich priorisierte Lösung sei, belaste sie Familien finanziell weit stärker. Gleichzeitig stieg der Mindestlohn für examierte Pflegehilfskräfte ab Juli 2025 auf 17,35 Euro pro Stunde – was die Pflegekosten zusätzlich in die Höhe treibt.
Die Kluft zwischen den Kosten für häusliche und stationäre Pflege bleibt eine zentrale Herausforderung im deutschen Langzeitpflegesystem. Da der Großteil der Pflegebedürftigen auf familiäre Unterstützung angewiesen ist, wächst der finanzielle Druck auf die Haushalte weiter. Gleichzeitig treiben steigende Löhne und Betriebskosten die Heimentgelte in die Höhe – viele sehen sich einem immer teurer werdenden System gegenüber.