Milo Rau inszeniert fiktives Gerichtsverfahren gegen Deutschlands AfD-Dilemma
Anna KrauseRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert fiktives Gerichtsverfahren gegen Deutschlands AfD-Dilemma
Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage enden mit einem gewagten Theaterereignis: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland – ein fiktiver Prozess, der die brisante Frage eines Verbots der rechtsextremen AfD aufwirft.
Das 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründete Festival setzt seit jeher auf politische Themen. Die diesjährige Ausgabe wurde von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Raus Produktion führt die Tradition des Festivals fort, das für provokantes, gesellschaftlich engagiertes Theater steht.
Rau ist bekannt für Werke, die die Grenzen zwischen Kunst und Aktivismus verwischen. Seine Produktion Das neue Evangelium (2020) inszenierte die Passion Jesu im Kontext der Kämpfe afrikanischer Geflüchteter und erregte weltweit Aufmerksamkeit. Andere Projekte umfassten inszenierte Demonstrationen, Dokumentationen urbaner Unruhen oder Stücke, die historische Revolutionen aus Lenins Perspektive verbanden. Häufig setzt er sich in seiner Arbeit mit Abschiebepraktiken auseinander, etwa zwischen Deutschland und dem Kosovo.
Beim Gerichtsverfahren gegen Deutschland handelt es sich um einen fiktiven Prozess, bei dem die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin den Vorsitz führt. Juristen und Rechtsexperten leiten die Debatten und prüfen Argumente für und gegen ein mögliches AfD-Verbot. Wer nicht vor Ort dabei sein kann, verfolgt die Veranstaltung per Live-Stream auf der Website des Thalia Theaters.
Die Aufführung bildet den Abschluss der diesjährigen Lessing-Tage, doch ihre Wirkung könnte über das Festival hinausreichen. Indem Rau die AfD-Debatte als theatralischen Prozess inszeniert, zwingt er zu einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Deutschlands politischen und rechtlichen Dilemmata. Nach drei Tagen intensiver, inszenierter Beratungen endet das spektakuläre Experiment.
Juryentscheid im Prozess um das Verbot der AfD: Geteilte Meinungen
Die fiktive Jury hat nach drei Tagen Beratung ihr Urteil gefällt:
- Eine knappe Mehrheit plädierte für eine Überprüfung eines AfD-Verbots, aber nicht für ein generelles Verbot.
- Es kam zu keinem Konsens über die Regulierung der sozialen Medien für Minderjährige unter 16 Jahren.
- Die Entscheidung zeigt die anhaltenden politischen und rechtlichen Spannungen in Deutschland.






