20 April 2026, 16:07

Der vergessene Ford-Streik 1973: Wie Migrant:innen gegen Ausbeutung kämpften

Plakat mit einem britischen Granitarbeiter, der vor einer Bergkulisse steht, mit dem Text "Was unser freier Handel bedeutet - Britischer Granitarbeiter - Die Fair-Wage-Klausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit."

Der vergessene Ford-Streik 1973: Wie Migrant:innen gegen Ausbeutung kämpften

Ein neues Buch beleuchtet einen der gewalttätigsten Arbeitskonflikte der deutschen Geschichte. Am 30. August 1973 kam es in Köln zu brutalen Auseinandersetzungen zwischen Polizei, Werksschutz des Ford-Werks und migrantischen Arbeitnehmern. Der Streik, der vor allem von türkischen und italienischen Beschäftigten angeführt wurde, markierte einen Wendepunkt für die Selbstorganisation von Migrant:innen in Deutschland.

Der Protest begann, als sich überwiegend migrantische Arbeiter:innen im Ford-Werk Köln gegen harte Arbeitsbedingungen zur Wehr setzten. Sie forderten eine zusätzliche D-Mark pro Stunde – doch ihr Kampf galt auch dem Respekt und einer gerechten Behandlung. Am Tag der gewaltsamen Niederschlagung griffen Teile der deutschen Belegschaft sowie Polizei und Werksschutz gemeinsam die Streikenden an.

Das Ereignis gilt heute als Beginn des widerständigen Kampfes von Migrant:innen gegen Ausbeutung und Rassismus in Deutschland. Die kürzlich erschienene Essaysammlung "Der Streik hat mir als jungem Menschen Kraft gegeben: Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus" versammelt 15 Beiträge, die das Erbe dieser Auseinandersetzung untersuchen. Herausgegeben von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis, enthält der Band auch Perspektiven ehemaliger Gewerkschaftsfunktionäre wie Witich Rossmann und Öztürk, die sich in der Bewertung der Rolle der IG Metall und des Betriebsrats während des Streiks uneins sind.

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Über die historische Aufarbeitung hinaus verbindet das Buch den Kampf von 1973 mit aktuellen Arbeitskämpfen. Es rückt heute aktive migrantische Arbeiter:innen in den Fokus – etwa Fahrradkurier:innen –, die sich in der Tradition der Ford-Streikenden sehen und für Würde kämpfen.

Das Werk dokumentiert, wie eine einzige Konfrontation die migrantische Aktivismuslandschaft in Deutschland prägte. Gleichzeitig zeigt es, dass die Forderungen von 1973 – bessere Bezahlung, sichere Arbeitsbedingungen und grundlegender Respekt – für viele Beschäftigte bis heute unerfüllt sind. Zum 50. Jahrestag des Ford-Streiks sind die Debatten über Rassismus, Solidarität und die Kraft kollektiven Handelns wieder aufgeflammt.

Quelle