Apothekenverband droht mit Protestwelle gegen Gesundheitsministerin Dittmar
Anna SchmitzApothekenverband droht mit Protestwelle gegen Gesundheitsministerin Dittmar
Der Vorsitzende des Deutschen Apothekenverbands (ABDA) hat vor einer zunehmenden Zuspitzung des Konflikts mit der Bundesregierung wegen Finanzierungsfragen und Reformvorhaben gewarnt. Thomas Preis, Chef der ABDA, kündigte für Ende Januar eine Welle von Protesten an, nachdem Gespräche mit Gesundheitsministerin Sabine Dittmar (SPD) in einer Sackgasse endeten. Er warf den Verantwortlichen vor, zentrale Forderungen zu ignorieren – darunter eine längst überfällige Erhöhung der Festbeträge für Apotheken.
Preis betonte, dass die jährliche Anpassung der Festgebühr – aktuell sind 9,50 Euro im Gespräch – kein Privileg, sondern in der Gesundheitsbranche gängige Praxis sei. Während andere Bereiche des Gesundheitswesens regelmäßig über Anpassungen verhandelten, sehe sich die Apothekerschaft seit Jahren mit Absagen konfrontiert. Die ABDA habe über 40 Überarbeitungsanträge eingereicht, der Bundesrat mehr als 30 Bedenken vorgebracht – die meisten davon seien vom Gesundheitsministerium jedoch zurückgewiesen worden.
Im Mittelpunkt des Streits stehen umfassendere Reformpläne von Ministerin Dittmar, die höhere Zuschüsse und neue Apothekenmodelle für ländliche Regionen vorantreibt. Preis bezeichnete sie zwar als wichtige Partnerin, kritisierte jedoch ihre Forderung nach einer Ausweitung der Apothekenaufgaben ohne angemessene Vergütung. Zudem lehnte er Entwürfe aus der Amtszeit ihres Vorgängers ab, insbesondere das Modell 'Apotheken ohne Apotheker', das er als 'inakzeptabel' zurückwies.
Die Beziehungen haben sich weiter verschlechtert, seit Preis das Ende der 'Flitterwochen' mit der Koalition erklärte. Er forderte die zügige Umsetzung des Koalitionsvertrags und warnte, dass leere Versprechen nicht mehr ausreichten. Um den Druck zu erhöhen, plant die ABDA einen 'Protestfrühling', unterstützt von allen 16.000 deutschen Apotheken und ihren Mitarbeitenden – inklusive einer öffentlichen Petitionskampagne.
Der aktuelle Konflikt steht im Gegensatz zu früheren Herangehensweisen: Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (2021–2025) setzte auf Kostensenkungen und digitale Reformen wie die elektronische Patientenakte, während sein CDU-Amtsvorgänger Karl-Jürgen Gutting (2013–2018) moderate Gebührenerhöhungen und den Schutz lokaler Apotheken förderte. Dittmars ehrgeizige Pläne stoßen nun auf massiven Widerstand einer Branche, die sowohl finanzielle Sicherheit als auch Planungssicherheit einfordert.
Während sich die Apotheken auf bundesweite Proteste vorbereiten, muss die Regierung ihre nächsten Schritte abwägen. Preis hat klar gemacht: Ohne konkrete Fortschritte – insbesondere bei den Gebühren und Personalregelungen – werde die Branche nicht nachgeben. Das Ergebnis dieses Machtkampfs könnte nicht nur die Arbeitsweise der Apotheken verändern, sondern auch künftige Gesundheitsreformen prägen.






