Anna Netrebko triumphiert in Berlin – doch Proteste überschatten ihre Rückkehr
Anna KrauseAnna Netrebko triumphiert in Berlin – doch Proteste überschatten ihre Rückkehr
An der Berliner Staatsoper feierte am Freitag Verdi-Galas Premiere – mit Anna Netrebko in der Hauptrolle und Protesten vor dem Haus
Die Berliner Staatsoper zeigte am Freitag die Uraufführung von Un ballo in maschera mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia. Die Vorstellung erntete im Saal begeisterten Applaus, während draußen Demonstranten gegen die Sängerin protestierten – wegen ihrer früheren Nähe zur russischen Führung.
Die Produktion markierte Netrebkos Rückkehr auf eine große westliche Bühne nach Jahren der Kontroverse um ihre angebliche Unterstützung für Präsident Wladimir Putin. Rund 50 Protestierende versammelten sich vor dem Opernhaus, schwenkten ukrainische Flaggen und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Ihre Kundgebung unterstrich die anhaltende Kritik an Netrebkos Auftritten, obwohl ihre Vertreter betonen, sie habe sich öffentlich gegen den Ukraine-Krieg ausgesprochen.
Im Inneren des Hauses reagierte das Publikum hingegen warm auf Netrebkos Darstellung und belohnte sie mit stehenden Ovationen. Die gesamte Inszenierung – inklusive Orchester und Ensemble – erhielt großes Lob für ihre musikalische und dramaturgische Umsetzung. Doch der Abend blieb von der politischen Vergangenheit der Sängerin überschattet.
Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, sieht sich seit Anfang 2022 einem Wandel der öffentlichen Meinung ausgesetzt. Zunächst sagten westliche Opernhäuser ihre Engagements ab, nachdem sie sich nicht eindeutig von Russlands Angriff auf die Ukraine distanziert hatte. Bis 2026 jedoch kehrten einige Institutionen – darunter die Berliner Staatsoper – schrittweise zu einer Zusammenarbeit mit ihr zurück, wenn auch unter anhaltenden Debatten. Intendantin Elisabeth Sobotka verteidigte die Entscheidung und verwies darauf, dass Netrebko sich öffentlich von Russland distanziert habe und seit der Invasion nicht dorthin zurückgekehrt sei.
Kritiker, insbesondere aus ukrainischen Initiativen, argumentieren jedoch, dass Netrebkos jüngste Auftritte in Russland und ihre unveränderte politische Haltung ihre Beteuerungen untergraben. Die Berliner Premiere spiegelte diese Spaltung wider: Künstlerischer Beifall prallte auf anhaltende Vorbehalte wegen ihrer vermuteten Loyalitäten.
Die Aufführung von Un ballo in maschera unterstrich Netrebkos ungebrochene Gesangskunst, die beim Opernpublikum auf Zustimmung stieß. Doch die Proteste vor dem Haus zeigten, dass ihre Rückkehr auf westliche Bühnen weiterhin umstritten bleibt. Die Debatte um ihre Karriere kreist nun um die Frage, ob künstlerische Leistung politische Kontroversen überwiegen kann.






